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18. Juli 2014

Der „Bilboom-Effekt“ (Part 2)

Selten gestaltet sich der Weg ins Museum so beschwerlich wie im Guggenheim in Bilbao. Bevor einen die architektonische Wucht des Gebäudes erschlägt, muss man noch an verschiedenem Getier vorbei. Großzügig bemessen die Vorderseite des Museums als Tor zur Stadt und als Wächter des Museums ein zwölf Meter hoher Welpe aus Blumen. Hier hat der teuerste lebende Künstler der Welt, Jeff Koons, ein Monument errichtet, welches wie alle seine Arbeiten an der Grenze von Kunst und Kitsch wandelt. Ein West-Highland-Terrier-Welpe bestehend aus ca. 70.000 Blumen, welche durch ein inneres Bewässerungssystem am Leben erhalten werden. Entwickelt hatte Koons den Welpen am Rande der Documenta 9, zu der er nicht eingeladen war und den er stattdessen vor dem Residenzschloss Bad Arolsen in Nordhessen platzierte, wo er natürlich zum Publikumsliebling wurde. Später wanderte der Puppy in den Hafen von Sydney, bevor er vor dem Guggenheim in Bilbao sein endgültiges Zuhause fand. Eigentlich sollte er auch hier nur im Eröffnungsjahr gezeigt werden, wegen Protesten aus der Bevölkerung blieb der Puppy aber und wird seither jedes Frühjahr neu bepflanzt. Die Basken vor Ort lieben ihr Hündchen genauso wie die tausenden von Besuchern, die es so begeistert, dass die Ausstellungen im Inneren jeden Glanz verlieren. Der Puppy als Icon einer Werbemaschinerie der vom Kühlschrankmagneten bis zum Regenschirm alles schmückt, sollte nicht das Guggenheim selbst drauf sein. Koons ist mit dieser Arbeit ein sehr kalkulierbares Risiko eingegangen. Ein Welpe der Mutter und Vaterinstinkte anspricht, aus Blüten die durch Farbpracht und wohltuenden Geruch an Kontemplationen im Garten denken lassen. Das alles hoch potenziert zu gigantischer Größe lässt selbst renommierte Kunstkritiker einknicken und von einem Gefühl der Wärme, Fröhlichkeit, und Geborgenheit sprechen.
Hat man sich von all der Niedlichkeit erholt und steuert links am Guggenheim vorbei, die Treppe hinunter, gelangt man zu einer breiten Promenade am Ufer des Flusses Nervión, wo einen die Kehrseite des Kitsches erwartet. Eine neun Meter hohe Spinne aus Bronze, eine Arbeit der französischen Künstlerin Louise Bourgeois aus dem Jahr 1999, mit dem Titel „Maman“. Diese ist die größte einer ganzen Reihe von Spinnenskulpturen und eine Hommage an Bourgeois eigene Mutter, welche Restauratorin für Tapisserie war und wie die Spinne immer wieder Gewebe erneuerte. Bourgeois bezeichnet die Spinne als Freund der beschützend und hilfreich ist. So ragt sie über einem auf, auf filigranen Beinen in massiver Höhe, mit zehn Marmoreiern in ihrem Beutel. Betrachtet man die vorbeiziehenden Besucherströme, so scheint sie auch hier kein Unwohlsein hervor zu rufen. „Maman“ ist ein beliebtes Fotomotiv, selbst die Kommunion-kinder in kleinen Kostümchen lassen sich an ihre Spinnenbeine gelehnt ablichten. Die Aura ist geradezu greifbar, als würde sie gleich auf ihren Beinchen loslaufen und auch wenn sie Respekt einflößt, würde „Maman“ einen wohl kaum zerquetschen.
Dies sind aber nur zwei der Beispiele für die Kunst um die Kunst, die auf Grund ihrer Nähe zum Tierreich und ihrer Größe draußen besser als drinnen verortet zu sein scheint. Genauso gibt es eine Arbeit von Anish Kapoor aus mathematisch angeordneten, reflektierenden Silberkugeln, welche die Wirklichkeit verzerren oder Arbeiten von Yves Klein und Daniel Buren.
Doch wo ging es hier noch mal zum Museumseingang? In Kürze mehr…