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22. August 2013

Alaia- Mehr ist weniger

… Jeder der Ausstellungsräume im NRW Forum widmet sich einem anderen, von Alaia benutzten Material. Anscheinend um die einzelnen Bereiche noch mehr von einander abzugrenzen, haben die Räume einen neuen poppigen Wandanstrich erhalten, mal pink, mal grasgrün und mal hellblau. Es scheint als seien es direkt aus der Tube gedrückte Abtönfarben, bei denen man aber das Abtönen vergessen hat und dann stand nicht mal drauf, welche Farbe drin ist, so gut passen die Töne zu einander.Vielleicht sollen die Wände in Kontrast zu den farblich eher zurückhaltenden Kleidern stehen, aber tatsächlich lenken sie nur von Material und Schnitt ab. Warum ein üppiger, in mehreren Schichten über einander liegender Mantel aus lockigem Fell eine grasgrüne Wand hinter sich braucht, kann an dieser Stelle nicht erklärt werden.
Eine Parallele zur Wandgestaltung könnte man teilweise in Alaias Arbeitsweise erkennen, denn auch er selbst kennt oftmals keine Bescheidenheit und kein Maß, wenn schon Rüschen, dann aber bitte bodenlang und möglichst aus einem glitzernden Material. Allgemein spielt das Thema Rüschen für mein Empfinden eine viel zu große Rolle, bei vielen der Kleider wünscht man sich eine Schere herbei um sie auf Kniehöhe zu kürzen und so eine bessere Proportion zu erhalten. Doch Alaia ist teilweise nicht zu stoppen, oftmals brechen die Rüschen in ganzen Stoffwülsten aus den Kleidern hervor, hier geht es wohl um die ganz große Show.
Etwas absonderlich auch der Raum, der sich dem Material Tierhäute widmet. Knöchellange Röcke aus einzelnen Schlangenhäuten oder eine Korsage die vorne der Schwanz eines Alligators ziert. Mal abgesehen von den Tierrechten, die in diesem Zusammenhang zu recht thematisiert werden könnten, stellt sich auch die Frage, wer sowas eigentlich anziehen will. Die meisten Menschen würden nicht einmal einem Alligator gern begegnen, geschweige denn ihn anfassen und dann soll man ihn anziehen? Eine Erfahrung die bestimmt weder angenehm noch ästhetisch irgendwie anziehend ist. Sicher das Material ist selten und wertvoll, aber das Ergebnis ist einfach nur kurios und rechtfertigt in keinster Weise die Ausrottung der exotischen Tierbestände. Die Verarbeitung dieser Tierhäute geht oftmals mit gut sichtbaren, groben Nähten und ausgefransten Säumen einher. So ist man gut gerüstet für die nächste Großwild -Safari, zu der es hoffentlich nie kommen wird.